Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende entgegen

In meiner Kindheit und Jugend gab es für mich keine Zeit, weil sie damals keine Rolle spielte. Im Laufe meiner menschlichen und beruflichen Entwicklung wurde sie zunehmend wichtiger: Ich hatte meine Arbeitszeiten zu beachten, Termine wurden geplant, manches Mal wurde mir die Zeit zu knapp, weil „ja schon“ der nächste – natürlich wichtige – Termin anstand. Allmählich kam dann häufiger die Frage nach dem Vergangenen und der Zukunft auf: Wo stehe ich heute? Wie bin ich dahin gekommen? Wie soll bzw. könnte mein Morgen aussehen?

Ohne mein bewusstes Dazutun bekam ich ein Gespür für die Zeit: Unangenehme Zeiten (z.B. meine Umschulung) vergingen viel zu langsam. Und seitdem sind zehn Jahre vergangen – ein Zeitraum, der für mich wie im Flug vergangen ist. Und schöne Zeiten (z.B. Zusammensein mit tollen Menschen) sind immer wieder viel zu schnell vorüber. Und leider fehlt mir für diese Zeiten die Fähigkeit, eine Zeitlang von ihnen zu zehren.

Auch Kinder führen mir immer wieder vor Augen, wie (schnell) die Zeit vergeht: Vor zehn Jahren bin ich in ein Haus gezogen mit vielen Kindern. Und heute begegne ich nur noch Erwachsenen, die ich mal als Kinder kennen gelernt habe. Gerade nach diesen Begegnungen merke ich sehr stark mein eigenes Älterwerden.

Wenn ich heute Kinder sehe, frage ich mich oft: Wie wird die Welt aussehen, wenn das Kind in einigen Jahrzehnten in meinem Alter ist? Doch Kinder wachsen wie wir alle in eine Welt hinein so wie ich in diese heutige Welt hinein gewachsen bin. Glücklicherweise geht Entwicklung in der Regel nicht von heute auf morgen.

Welche Bedeutung hat für Euch jüngeren Menschen Zeit?
Welche Bedeutung hat die Zeit für Euch Menschen in meinem Alter (65)?

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