Der Zwang zum Sparen

Es ist immer wieder die Rede davon, dass „wir“ sparen müssen? Doch wird der Begriff des Sparens hier so verdreht, dass vom ursprünglichen Sinn nichts mehr übrig bleibt. Laut Wikipedia ist Sparen das Zurücklegen von momentan frei verfügbaren Mitteln zur späteren Verwendung (Quelle). Doch wer von der Mehrheit der Bevölkerung hat heute noch frei verfügbare (finanzielle) Mittel zur Verfügung, um sich mit dem so Ersparten später einmal etwas leisten zu können. Auch Menschen mit geringen Mitteln (z.B. Sozialhilfeempfänger, Kleinrentner, Arbeitslose u.a.) leisten sich hin und wieder etwas, aber nicht aus ersparten Mitteln, sondern indem sie in anderen Bereichen ihres Lebens verzichten müssen.

So habe ich mir dieses Wochenende für 50 € neue Kleidung gekauft, weil ich wirklich neue Klamotten brauchte und diese Klamotten sowohl in qualitativer und finanzieller Hinsicht ein Schnäppchen waren. Aber diese 50 € habe ich mir gar nicht ersparen können; vielmehr muss ich diesen Betrag in den nächsten Wochen durch Verzicht wieder ausgleichen. Und das ist bei den meisten Menschen der Fall, vor allem dann, wenn sie von staatlichen Leistungen abhängig sind. Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob ich mir beispielsweise neue Kleidung kaufen kann, weil ich mir das Geld dafür ersparen konnte oder weil ich für dieses Geld in anderen Bereichen verzichten musste. Im ersteren Fall kann ich mein gewohntes Leben fort führen und im zweiten Fall muss ich mein gewohntes ohnehin schon bescheidenes Leben weiter zurück fahren.

Es geht nicht um Sparen, sondern um Verzichten. Mit Menschenwürde hat das nichts zu tun!

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