Erlebnisse meiner Kindheit [5]

Da meine Eltern beide arbeiten mussten, um uns fünf Köpfe über die Runden zu bringen, kam ich in einen katholischen Kindergarten, der von Ordensschwestern geführt wurde Dort kam ich erstmals spürbar mit brutaler Strafe in Kontakt. Schon damals habe ich nicht geschwiegen, um meine Ruhe zu haben, sondern meine Kritik und meinen Unmut laut gemacht. Das passte den Ordensschwestern nicht und sie haben mich zur Strafe jedes Mal in einen Treppenverschlag eingesperrt. Es war dort vollkommen dunkel. Allein das hat in mir eine panische Angst erzeugt, die von der Enge dieses Verlieses (anders war dieser Raum nicht zu nennen) noch verstärkt wurde. Mein panisches Schreien ließ die Ordensschwestern kalt. Irgendwann „durfte“ ich dann wieder raus kommen in der Hoffnung der Ordensschwestern, dass ich jetzt „geläutert“ sei. Krasse Fehleinschätzung: Ich habe mich gegen Unrecht lautstark gewehrt – lautstark und nicht im stillen Kämmerlein. Alle Versuche, mir dieses Verhalten auszutreiben, haben bis heute nicht gefruchtet und werden es wohl auch über meinen Tod hinaus nicht.

Meinen Eltern habe ich von dieser Brutalität erzählt. Doch sie standen auf dem Standpunkt, dass ich diese Strafen verdient hätte, wenn die Ordensschwestern es so bestimmten. Ich meine mich zu erinnern, dass sie auch mal vorgesprochen und nichts erreicht haben. Vermutlich meinten sie es ernst, aber – so denke ich heute – sie hatte ja nie gelernt, „Autoritäten“ als autoritär zu erkennen und noch weniger, sich dagegen und gegen Unrecht aufzulehnen.

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