Gelebte Erfahrungen

Möglicherweise habt Ihr auch schon mal diese Erfahrung gemacht: Da versucht jemand (es kann natürlich auch andersherum sein), Euch wiederholt etwas zu erklären, das zwar in Euren Köpfen ankommt, aber von Euch nicht in Taten umgesetzt werden kann, weil Ihr es zwar vom Kopf her verstanden habt, aber nicht von Euren Gefühlen her. So erging es mir beispielsweise viele Jahre, in denen mir immer wieder erklärt wurde, was Nähe und Abstand im Leben bedeuten, ich es verstanden habe, es aber nicht umsetzen konnte – es war nur bis in meinen Kopf vorgedrungen. Dann machte mir mal ein Therapeut das Thema Nähe und Abstand mit einer Übung auch für mein Gefühl klar:

Ich habe mich bis fast auf Körpernähe im gegenüber gesetzt und er fragte mich: „Was siehst du jetzt?“ Meine Antwort: „Deine Augen“. Dann bat er mich, wieder unseren gewohnten Abstand einzunehmen und fragte mich: „Und was siehst du jetzt?“ Meine Antwort: „Deine ganze Person“. Ein gesundes Mittelmaß zwischen Nähe und Abstand bekomme ich zwar immer noch nicht hin, aber nicht nur mein Kopf weiß darum, sondern auch mein Gefühl.

Es ist zwar ein krasser Vergleich, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Menschen, die dem Tod schon einmal die lange Nase gezeigt haben, sehr intensiv von dieser Erfahrung geprägt werden. Bei meinen Überlegungen zu diesem Artikel habe ich mich gefragt, welchen Gewinn ich ziehen könnte, wenn ich dem Tod von der Schippe springen würde. Ich könnte mir vorstellen, dass ich anschließend auch gefühlsmäßig „wüsste“, dass all meine innere Unruhe überflüssig und schädlich waren und ich in einer echten inneren Ruhe und Ausgeglichenheit ankommen würde.

Dem Tod die lange Nase zu zeigen, ist ein reines Gedankenspiel, das ich nie erleben möchte. Der Wunsch, in innerer Ruhe und Ausgeglichenheit anzukommen, ist echt. Der Weg das Ziel.

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