Zwanzig Jahre arbeitslos

Seit nunmehr etwas über zwanzig Jahren bin ich arbeitslos. Daraus habe ich nie einen Hehl gemacht, auch wenn mir das viel Ablehnung und offene und unausgesprochene Kritik bringt. Die meisten Menschen nehmen das einfach so hin nach dem Motto „Ist nun mal so. Finde dich damit ab und mache das Beste daraus.“ Theorie und Praxis, Anspruch und Wirklichkeit – beides liegt oft sehr viele Kilometer auseinander und nur den wenigsten Menschen ist es vorbehalten, tatsächlich ihres Glückes Schmied zu sein. Ich gehöre leider nicht zu dieser bevorzugten Gattung.

Auch wenn es einige Menschen gibt, die nicht müde werden, mir zu erzählen, sie würden mich gut verstehen – von ihren Köpfen her mögen sie mich verstehen, aber nicht von ihren Gefühlen und unsere Seelen leben oft weit auseinander. Mich zu fragen „Wie geht es Dir?“ halten diese Menschen oft schon für Verständnis und Einfühlungsvermögen. Doch kein Hinterfragen, wie ich denn mein Leben auf die Reihe bekomme. Sie verhalten sich oft so, als würden sie mich doch ohnehin kennen und bräuchten mich nicht zu fragen – sehr weit gefehlt! Über was ich mir so alles Gedanken machen und wie es in meiner Seele wirklich aussieht, davon wissen auch diese Menschen sehr wenig bis nichts. Oder ahnt auch nur einer dieser Menschen ansatzweise, dass ich mir oft zu Hause die Seele aus dem Leib weine? Nein!

Ratschläge wie „Du musst unter Menschen gehen!“ sind auch nur kalter Kaffee. Ich bin viel unter Menschen und werde nicht wahr genommen. Und wenn ich versuche, Kontakte aufzunehmen, wird das in der Regel auch nicht gut auf- und angenommen.

Wer mich jetzt wieder in die Ecke des Pessimisten und Dauernörglers abstellen will, möge das getrost tun. Für mich sind das Menschen, die nicht aufmerksam beobachten, hinsehen und zuhören können und Menschen schnell ablehnen, die sich nicht nach ihren wie auch immer gearteten Vorstellungen und „Regeln“ verhalten. Ich bin eine eigenständige und selbstverantwortliche Persönlichkeit. Und für solche Menschen war es schon immer schwierig, aktives Verständnis und aktive Anteilnahme zu finden.

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