Tschüss Solingen

Der Rucksack ist mit dem Nötigsten gepackt und auch sonst ist alles für meine längere Abwesenheit geregelt. Wenn Ihr diesen Artikel lest, werde ich schon im Flieger sitzen und die Kanaren ansteuern oder dort schon gelandet sein. Das wird mein erster Urlaubsort sein nach Jahrzehnten ohne wirklichen Erholungsurlaub. Meine Ziele habe ich nicht geplant und auch nicht die Dauer meiner Aufenthalte. Ebenso wenig weiß ich, wie lange ich unterwegs sein werde. Ich will mir eine Zeit nehmen ohne jeden Druck und dort immer am längsten bleiben, wo ich aufmerksamen, liebevollen und zugewandten Menschen begegne, die die Gemeinschaft mit mir schätzen. Meinem Notebook werde ich ebenfalls Erholung gönnen, werde aber unterwegs immer mal wieder ein Internetcafé aufsuchen und schauen, wer mir eine Email geschrieben hat. Über meine Reise werde ich bestimmt auch hin und wieder berichten. Über meine Reiseerlebnisse und –erfahrungen möchte ich Euch ja auch auf dem Laufenden halten. Falls ich irgendwo landen und dort angekommen sein sollte, werde ich unter Umständen dort bis zu meinem Tod bleiben. Aber das steht noch weit oben in den Sternen. Vielleicht werde ich auch dauerhaft unterwegs sein und mich an sehr vielen Menschen und der unterschiedlichen Natur erfreuen, die mir meine Mutter Erde bietet.

Doch leider werden diese Worte das bleiben, was sie sind – unerfüllbare Träume. Erleben (soweit ich überhaupt von er“leben“ sprechen kann) werde ich diese unerfüllbaren Wünsche nur vor dem Fernsehen. Und solche Dokumentationen kann ich selten ohne Unterbrechungen sehen, weil ich zwischendurch immer wieder mein Fernweh und meine Sehnsucht unterdrücken muss. Manches Mal helfen mir dabei auch Tränen.

Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich nie und nimmer daran gedacht hätte, dass ich einmal so verarmt sein werde, dass ich mir so grundlegende Lebensinhalte wie Reisen und Kultur nicht mehr leisten kann. Und es gibt auch bedauerlicherweise keine Alternative dazu. Auch das gehört zu meinem alltäglichen (Überlebens)-Kampf, mich tagtäglich damit abfinden zu müssen, dass ich ein höchst eingeschränktes Leben führen muss. Schon seit einigen Jahren habe ich deshalb immer wieder das Gefühl, dass ich zu diesem Leben nicht mehr gehöre – zu einem Leben, das arme Menschen vom gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Leben oft sehr weitgehend ausschließt.

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