Noch vor einiger Zeit nicht vorstellbar

In meiner Jugend habe ich so viele Bücher gelesen, dass ich gar nicht „dazu kam“, raus zu gehen, mit anderen Kindern zu toben und meine Kräfte und Grenzen auszutesten. Als ich mich das erste Mal so richtig unter Menschen wagte, war ich schon vierzehn(!) – im Nachhinein für mich schlecht nachvollziehbar. Damit habe ich mich um viele Erfahrungen im Umgang mit Menschen gebracht, was für mich aus heutiger Sicht nicht von Nachteil war. Grundlegendes „Erbe“ aus dieser Zeit war meine Lust am Lesen als nicht weg zu denkender Lebensinhalt.

In der Natur habe ich mich auch schon immer sehr gerne bewegt – spazieren gehen als eine Art nicht weg zu denkender Freizeitbeschäftigung kam erst später hinzu. Du hättest mich für einen Spaziergang aus dem Schlaf holen können.

Doch leider haben sich meine Zeiten – was Lesen und Spazierengehen betrifft – zum Schlechten gewandelt. Zum Lesen muss ich mich immer mehr aufraffen als mit Lust zu einem Buch zu greifen. Und zum Spaziergehen muss ich mich auch oft treten.

In gewisser Weise gilt das auch für meine Blogeinträge, die ich nicht mehr so regelmäßig schreibe wie es früher der Fall war. Für mich ist das Leben nicht einfacher geworden. Ich mag nicht mehr so gerne über mein Denken und Fühlen schreiben, weil ich das auch einer Wand im Keller anvertrauen könnte. Und politisch gibt es auch so ganz und gar nichts in Richtung Zuversicht zu schreiben. Die Themen sind mir nicht ausgegangen, aber sie wiederholen sich – in der Regel in Richtung Heute und Gestern und nur äußerst selten mal in Richtung Morgen.

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