Das Jahr neigt sich

Das Jahr neigt sich langsam und stetig seinem Ende entgegen. Und mir ist, als hätte es erst vor wenigen Wochen begonnen. Je älter ich werde, desto schneller vergeht die Zeit. Die bedingte Unbeschwertheit meiner jüngeren Jahre hat sich schon länger verabschiedet. Oft frage ich mich, was mir mein bisheriges Leben an guten wie schlechten Erfahrungen gebracht hat. An die guten Erfahrungen erinnere ich mich oft noch verhältnismäßig gut, auch wenn ich viele Jahre in meiner Zeit zurück gehen muss. Die letzten Jahre erinnere ich mich mehr an schlechte Erfahrungen: Grundlegend für diese schlechten Erfahrungen ist meine bisher über zwanzigjährige Arbeitslosigkeit, um deren Behebung ich viel zu lange und viel zu heftig gekämpft habe – ohne Erfolg. Das hat mich sehr viele Lebensenergien gekostet und nur selten die Möglichkeit, diese Lebensenergien wieder zu erneuern. Alleine ist das auch sehr schwer. Ich fühle mich oft leer und ausgebrannt. Und die Umstände machen derzeit auch nur wenig Hoffnung auf eine positive Entwicklung.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind in meinem Alter – und das will ich nicht verallgemeinern, sondern spreche nur von mir – schwierig anzufangen und noch schwieriger zu vertiefen. Auch wenn die virtuellen Kontaktbörsen voll sind von allein stehenden Frauen, die einen Partner suchen oder so etwas in dieser Richtung, die Wirklichkeit sieht anders aus.

Und die politische Situation stimmt alles andere als zuversichtlich: Voraussichtlich werden wir unter einer übermächtigen SPCDSU noch mehr Bürgerrechte verlieren. Und die Opposition wird auch nicht viel ändern können. Und die machtvollen Demonstrationen meiner Jugend sind auch Schnee von gestern. Man schimpft im Internet und will nur noch Spaß haben, aber seine Rechte auf der Straße einzufordern ist viel zu anstrengend geworden. Die Gewerkschaften werden von Parteigängern beherrscht und degradieren sich so zu Papiertigern.

Das zu endende gehende Jahr wird für mich mit vielen schmerzhaften Erfahrungen verbunden sein. Und auch wenn ich mir für mein neues Jahr vor allem Gesundheit und ganz viel innere und äußere Ruhe wünsche – auch wenn es weiterhin kein Zuckerschlecken in 2014 sein wird, so werde ich dennoch weiter leben und vermutlich auch kämpfen (müssen), obwohl ich des Kämpfens mehr als müde bin.

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