Warum ich keine Schwierigkeiten mit Öffentlichkeit habe

Schon als Kind wurde ich als „schwierig“ abgestempelt, weil ich meinen Mund nicht halten wollte. Und Menschen jedweden Alters sind nun mal für viele ihrer Mitmenschen schwierig, weil wir in einer Gesellschaft leben, in der „Spaß haben“ angesagt ist und private, persönliche und zwischenmenschliche Probleme in der Regel nur in die Familie gehören, wo sie zumindest meinen Erfahrungen zufolge oft „unter den Teppich gekehrt“ werden.

Glücklicherweise durfte ich den Großteil meines Werdens in einem fortschrittlichen Gymnasium leben und erleben, in dem ich sozial und politisch in der Schülermitverwaltung (SMV) konstruktiv und engagiert mit gekämpft und mit gearbeitet habe. Es waren die Zeiten der 68er, die mich stark und nachhaltig geprägt haben. Ich war in den verschiedensten sozialen und politischen Bereichen aktiv und grundsätzlich in der vorderen Reihe. Dort lag mir schon damals häufig die Aufgabe des Öffentlichkeitsreferenten. die ich sehr gerne ausgefüllt habe. Hätte es damals schon Internet gegeben, wäre ich dort bestimmt auch öffentlichkeitswirksam aufgetreten.

In diese Zeit fielen auch die verfassungsfeindlichen Berufsverbote – eine Zeit, in der der Staatsführung missliebige Menschen wegen angeblicher Verfassungsfeindlichkeit aus dem öffentlichen Dienst ausgeschlossen wurden, weil sie Vertreter eines Staates kritisierten, der aus nicht gerade wenigen Alt-Nazis zusammen gesetzt war. Diese Zeit hat ganz klar eins gezeigt: Wenn die Mächtigen in Politik, Wirtschaft & Co. ihnen missliebige Menschen ausschließen wollen, sind ihnen sogar Lügen und Rechtsbeugung recht. Auch heute ist diese Gangart noch gang und gäbe, wie dieser Fall zeigt, der immer noch sehr aktuell ist.

Alle diese vergangenen und gegenwärtigen Ereignisse und persönlichen Erfahrungen haben in mir nie die Angst aufkommen lassen, ich könne öffentlich etwas sagen, was mir schadet. Wer mir tatsächlich schaden will, muss dazu gar nicht erst mein Gedankenbuch analysieren, sondern muss nur Lügen über mich verbreiten oder mich wegen erfundener Geschichten oder aus Bösartigkeit anzeigen. Darum werde ich in meinem Gedankenbuch auch weiterhin meine Gedanken und Gefühle als ein in diese Gesellschaft eingebundener Mensch öffentlich äußern.

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