Gestresste Arbeitnehmer – die halbe Wahrheit

Aktuell ist der Stressreport Deutschland 2012 in aller Munde. Es wird festgestellt, dass die Arbeitnehmer bzw. die noch Beschäftigten unter immer stärkerem Termin- und Arbeitsdruck stehen – eine Entwicklung, die wir schon seit mehr als zehn Jahren beobachten können. Und es wird überlegt, was man in den Betrieben dagegen unternehmen könne. Das wird sehr wenig sein, weil es einfach nicht umsetzbar ist, dass immer mehr Arbeit mit immer weniger Arbeitnehmern erledigt werden kann. Und da ist der Appell der Hartz IV-Ministerin Ursula von der Leyen an die Unternehmer, sie müssten dabei mitziehen, Zynismus und Menschenverachtung in Reinkultur.

Gerade von der Leyen ist politisch für die viel zu niedrigen Hartz IV-Regelsätze und die zunehmenden Strafmaßnahmen gegen die Langzeitarbeitslosen verantwortlich. Und die Unternehmer werden nicht mitziehen, weil sie froh sind, dass von der Leyen & Co. für Niedriglöhner sorgen und ihnen ihre Gewinne noch durch finanzielle Zuschüsse für die Einstellung von Langzeitarbeitslosen versüßen.

Solange Langzeitarbeitslosigkeit weiter zementiert wird, solange die Gewerkschaften sich mit wenigen Ausnahmen nur für ihre beschäftigten Mitglieder einsetzen, solange Arbeitnehmer und Arbeitslose nicht einsehen, dass sie in einem Boot sitzen, solange Gewerkschaften Arbeitnehmer und Arbeitslose nicht zusammen (auch noch 2013 uneingeschränkt wahr – leider) führen, solange wird der Stress „in den Betrieben“ sich in den nächsten Jahren festigen und vertiefen.

Solange sich nicht die Erkenntnis durchsetzen wird, dass Arbeitslose wieder in Beschäftigung kommen müssen, um sich mit den noch Beschäftigten die Lasten zu teilen und zu lindern, solange wird es psychische Erkrankungen und Ausfälle in den Betrieben geben. Aber das macht ja nichts, weil Politik und Wirtschaft in vertrauensvoller Eintracht dafür sorgen und auch weiterhin sorgen werden, dass man ja schlimmstenfalls aus dem Pool der Langzeitarbeitslosen billige Arbeitskräfte wird schöpfen können.

Am 1. Januar 2015 können und werden Politik, Wirtschaft, Industrie, Banken, Versicherungen und ihre „Partner“ zehn Jahre Hartz-Gesetze feiern können – und sie werden dieses Jubiläum bestimmt angemessen feiern.

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