Die Fähigkeit, Irrtümer einzugestehen

Neu ist es nicht gerade, dass wir Menschen sehr gut unsere guten Seiten hervor kehren, selbst wenn wir übertreiben müssen, was mit dem nötigen Humor ja noch ganz lustig und ehrlich sein kann. Aber wenn es darum geht, Fehler oder Irrtümer zu zu geben, so herrscht meistens Schweigen. Ich hatte noch nie Probleme, Fehler und Irrtümer gegenüber den Menschen offen einzugestehen, bei denen ich mich geirrt oder einen Fehler begangen habe. Um nur zwei Beispiele zu nennen: In meiner Zeit auf dem Gymnasium habe ich zwei Lehrer heftig angegriffen – in Worten natürlich. Daraufhin wurde ich von der Klasse dafür kritisiert und ich konnte es einsehen. In der nächsten Stunde bin ich dann jeweils zu Unterrichtsbeginn aufgestanden und habe mich entschuldigt. Beide Lehrer meinten, das sei doch vor der Klasse nicht nötig gewesen. Ich hätte das doch unter vier Augen machen können. Und ich habe beiden mit drei Fragezeichen in meinem Augen geantwortet: „Warum denn? Ich habe sie vor der Klasse beleidigt, also entschuldige ich mich auch vor demselben Publikum – zumal die Klasse mich für mein beleidigendes Verhalten kritisiert hat.“

In meinen zwanzig arbeitslosen Jahren musste ich mir immer wieder durchaus ehrlich gemeinte Sprüche anhören wie „Gibt nicht auf, du findest bestimmt noch eine Stelle.“ und andere Wortzusammenstellungen. Mit einer Reihe von diesen Menschen habe ich heute noch Kontakt. Doch keiner hat den Mut gefunden, mir einfach zu sagen „Scheiße, da habe ich mich geirrt.“ oder „Upps -da lag ich ja voll daneben“. Es gibt noch so viele andere Wortzusammenstellungen. Auf eine Entschuldigung wäre es mir dabei auch gar nicht angekommen, sondern nur darum, dass diese Menschen mir zeigen, dass sie sich an ihre Worte erinnern und mich ernst nehmen.

Aber nein – das wird alles lieber unter den Teppich gekehrt. Wie ich damit klar komme, interessiert niemanden. Eine sehr gute Freundin hat mir im Gespräch mal diese Lebensweisheit gesagt: „Wie reden Menschen miteinander? Sie reden aneinander vorbei.“ Von solchen Menschen nehme ich Abstand. Das hat zwangsweise zur Folge, dass nur wenige Menschen übrig bleiben.

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