Jeder ist seines Glückes Schmied

Wenn ich diesen Satz höre oder lese, frage ich mich jedes Mal, aus welcher Welt denn ein Mensch kommt, der einen solchen Satz nicht nur sagt, sondern auch noch ernst meint. Wenn wirklich jeder seines Glückes Schmied wäre, wäre das Leben auf unserer Mutter Erde noch rücksichtsloser und brutaler als es ohnehin schon ist. Es ist oftmals schon ziemlich schwierig, das eigene Stückchen Glück überhaupt noch wahr zu nehmen.

Als rücksichtsvoller Mensch nehme ich Rücksicht auf andere. Ich bin also schon mal in ein soziales Denken und Handeln eingebunden, das immer wieder Kompromisse erfordert. Und in einer solchen Gemeinschaft kann und will ich nicht meinen Stiefel rücksichtslos durchziehen. Das ist nicht zu verwechseln mit (m)einem geraden Weg. Auch ein gerader, authentischer Weg erfordert gegenseitige Rücksichtnahme.

Wo können denn die von Mursi unterdrückten Ägypter ihr eigenes Glück schmieden, wenn dieses Glück durch Diktatur, Zensur und Polizeiknüppel hemmungslos verhindert wird?

Wo können denn all die krebskranken jungen und alten Menschen ihr eigenes Glück schmieden, wenn sie ihren nahenden Tod vor Augen haben?

Wo können denn all die armen Menschen, die durch Wirtschafts-, Banken-, Industrie- und Politmanager in die Armut „entlassen“ wurden, ihr eigenes Glück schmieden, wenn sie nur von Hartz IV, Niedriglohnjobs oder mehreren Jobs nebeneinander „leben“ dürfen?

Wo können denn all die ausgegrenzten Menschen in unserem Land und auf unserer Mutter Erde ihr Glück schmieden, die für „unsere“ Discounter für 30 Euro im Monat arbeiten dürfen, die auf Müllhalden nach Essensresten suchen dürfen, die ihre Meinungen und Gesinnungen nicht frei äußern und leben dürfen – habt Ihr, die Ihr Eures eigenen Glückes Schmied seid oder es Euch einbildet, schon einmal an all diese Menschen gedacht, die ich hier stellvertretend erwähnt habe?

Wenn ich wirklich meines eigenen Glückes Schmied sein wollte und so leben könnte, wie ich es wollte (denn das heißt es schlussendlich), dann würde und müsste ich einen Weg gehen, auf den ich an dieser Stelle öffentlich besser nicht näher eingehen will.

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