Meine Allergie gegen Medikamente

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe keine körperliche Allergie gegen Medikamente, sondern eine geistig-seelische. Bis auf die Rheuma-Zeit in meiner Jugend (aus heutiger Sicht hatte ich vermutlich gar kein Rheuma) bin ich immer ohne harte Medikamente ausgekommen, weil mein Körper über genügend Selbstheilungsheilkräfte verfügte und auch heute noch verfügt. So gehöre ich zu den Menschen, die erst zum Arzt gehen, wenn sie den Kopf unter dem Arm tragen oder die Beschwerden eine echte Beeinträchtigung meiner Lebensqualität erzeugen. Und ich bin davon überzeugt, dass ich unter anderem deshalb noch so verhältnismäßig gesund bin, weil ich weit gehend auf die Einnahme von Medikamenten verzichtet habe.

Seit Anfang des Jahres ist das gar nicht mehr so einfach für mich, weil ich Kreislaufprobleme hatte und Bluthochdruck festgestellt wurde. Zur Regulierung meines Blutdrucks muss ich daher Medikamente einnehmen. Und diese Medikamente haben es in sich: Jede Menge Nebenwirkungen und auch ernsthafte Herzerkrankungen werden unter diese Nebenwirkungen eingereiht. Leider ist der obere Wert immer noch zu hoch und so wurde bei jedem Arztbesuch die Dosis erhöht. Und das macht mir Angst. In diesem Fall besitze ich auch nicht den Mut, die Dosis eigenmächtig zu bestimmen und schon gar nicht den Mut, die Medikamente ab zu setzen. Möglicherweise oder sogar ganz sicher werde ich dauerhaft von Medikamenten abhängig sein, um meinen Blutdruck zu regulieren.

Ich habe meinen Arzt auf meine Ängste angesprochen, der nur abwinkt mit der Erklärung, ich solle mir da keine Gedanken machen. Dieser Arzt ist schon seit etwa 25 Jahren mein Hausarzt, der mich immer ernst genommen hat und ernst nimmt. Und dass er in diesem Fall so leichtfertig mit meinen Ängsten umgeht, lässt mich vermuten, dass er wahrscheinlich meine Ängste verstehen kann, aber nicht weiß, wie er damit konstruktiv umgehen kann.

Den Rest meines Lebens will ich mit diesen Ängsten nicht leben. Zur Zeit finde ich leider nur tröstende Verdrängung in dem Satz Lieber noch zwanzig Jahre beschwerdefrei leben als dreißig Jahre mit Beschwerden – auch wenn diese zehn Jahre mir noch viel Lebensqualität bringen könnten. Wohl fühle ich mich bei diesem Satz nicht, schon allein deshalb, weil ich ein schlechter Verdränger bin.

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