Sparen – ein verharmlosender Begriff

Eine zeitnahe Erfahrung, die mir immer noch in den Knochen hängt, hat mich veranlasst, den Begriff Sparen neu zu überdenken. Bisher habe ich diesen Begriff als etwas Erfreuliches gesehen, weil man durch Sparen Geld für schlechte Zeiten zurück legt. Ich will jetzt nicht näher darauf eingehen, dass Arbeitslosigkeit eine andere Bezeichnung für schlechte Zeiten ist. Das selbe gilt für den im folgenden gebrauchten Begriff Notfall.

Ein armer Mensch – und dazu zählen in der Regel alle Hartz IV-Abhängigen – hat überhaupt kein Geld, das er sparen kann. Sparen heißt doch, von seinen Einnahmen so viel Geld zurück zu legen, dass man Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben zur Verfügung hat. Da ich von dem Hartz IV-Regelsatz, der sich derzeit auf monatlich 364 Euro beläuft, ohnehin nur am Rande des Existenzminimums leben kann (wenn überhaupt), ist jeder Cent, den ich für unvorhergesehene Ausgaben zurück lege, kein gesparter Cent, sondern ein Cent, mit dem ich mein Leben noch stärker einschränken muss als es ohnehin der Fall ist.

All denen, die mich jetzt als Schwarzseher und –maler hinstellen, möchte ich sagen: Ich bin nur einer von Millionen in derselben Situation – nur stehe ich zu meiner durch die lange Arbeitslosigkeit verursachten Armut und den damit verbundenen Folgen. Die meisten Menschen in meiner Situation versuchen, ihre Lage zu verheimlichen, weil sie sich für ihr unverschuldetes Schicksal völlig zu Unrecht schämen.

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