Steter Tropfen höhlt den Stein

Beständiges Hinarbeiten auf ein Ziel kann vielen Fällen zum Erfolg führen; doch es gibt auch die Misserfolge eines beständigen Hinarbeitens:

Seit dem Beginn meiner Arbeitslosigkeit am 01.10.1990 habe ich bis zu meiner jüngsten schmerzvoll Erfahrung nie aufgehört, mein Ziel Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erreichen. Fortbildungen und zwischenzeitliche Beschäftigungen haben daran nichts ändern können. Anfangs habe ich noch meine Bewerbungen gezählt, doch nach über tausend Absagen habe ich es aufgegeben. In einem Fall waren meine Bemühungen sogar ein Schuss nach hinten, weil in der Firma, in der ich seinerzeit eine Nebenbeschäftigung hatte, alle Männer in Vollzeit übernommen worden sind. Auch hält sich bei einigen Mitmenschen bis heute hartnäckig das Gerücht, ich hätte meine Arbeitslosigkeit selbst verschuldet.

Mittlerweile habe ich eine ehrenamtliche Stelle in einer städtischen Einrichtung angenommen, um überhaupt wieder eine Aufgabe zu haben und unter Menschen zu sein. Doch ich muss gestehen, dass ich zu diesem Ehrenamt ein zwiespältiges Gefühl habe: Einerseits macht sie mir Spaß, aber andererseits macht es mich wütend, dass ich nach diesen über zwanzigjährigen Kämpfen kostenlos arbeiten muss, weil mir auch die Stadt Solingen eine bezahlte Arbeit verweigert. Die öffentliche Hand hat kein Geld? Alles Lüge, wie die aktuelle Diätenerhöhung des NRW-Landtags glasklar zeigt: 133 Euro pro Monat mehr aus Steuermitteln für die eigene Tasche – ohne jede Diskussion!!! -, aber lächerliche 5 Euro mehr nach monatelangen „Diskussionen“ für Hartz IV-Bezieher. Da neige ich doch leicht dem Vergleich zu: Was die Juden für die Nazis waren, sind die Hartz IV-Betroffenen für die heutigen Regierungen. Es gibt ja auch schon Stimmen, die in Richtung Arbeitslager für Hartz IV-Betroffene gehen.

Doch möchte ich lieber wieder zum Ausgangspunkt zurück kommen: Meine jahrzehntelangen Bemühungen um meinen dauerhaften Wiedereinstieg ins Berufsleben – sprich: mein „steter Tropfen“ – hat durchaus auch einen „Stein“ ausgehöhlt, nämlich meine Seele, die nur noch von ihrer Hülle zusammen gehalten wird.

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