Wer kämpft, kann verlieren,wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Das gilt sicherlich nicht für alle Menschen. Es gibt Menschen, die haben es nicht nötig zu kämpfen: Wer mit dem entsprechenden Status geboren wird, wird Überlebensängste wohl nie kennen lernen. Wer immer wieder – gleich, was er tut – die Treppe hinauf fällt, muss auch nicht kämpfen. Wer zu den Oberen Zehntausend gehört, wird von Seinesgleichen immer wieder aufgefangen – und sei es um den Preis, dass er „seine“ Arbeitnehmer auf die Straße setzt und sich selbst dabei noch mit staatlicher Unterstützung bereichern darf. Dasselbe gilt für Politmanager, die „ihr“ Volk betrügen, um sich zu bereichern. Wer ein williger, gehorsamer und funktionierender Arbeitnehmer ist, muss zwar auch um seinen Arbeitsplatz fürchten, aber geht in der Regel zuletzt.

Ich gehöre keiner dieser Gruppen an. Und darum muss ich – zumindest seitdem ich arbeitslos bin – täglich um mein (Über-)Leben und einen würdevollen Alltag kämpfen. Es sind in der Regel keine unmittelbaren Kämpfe gegen Menschen, sondern Kämpfe mit mir und in mir selbst: Wenn ich mich zwei Stunden an einer Tasse Kaffee festhalten muss, so habe ich dennoch Durst und muss mir ansehen, wie die anderen Gäste auch noch ein leckeres Stück essen und noch weitere Getränke trinken können. Wenn ich mir Naturdokumentationen im Fernsehen ansehe, so geht das nicht ohne Fernweh und oftmals auch nicht ohne Tränen ab. Wenn ich mir (wie im Augenblick) immer wieder eine Uhr für nur 20 Euro ansehe, ohne sie kaufen zu können, denke ich mit Wut daran, dass es Menschen gibt, die 20 Euro mal eben im Vorbeigehen für einen Lustkauf ausgeben können. Ein Bekannter in meiner Stammkneipe hat mir mal sinnbildlich gesagt Du kannst Dich ja noch nicht einmal betrinken. Wenn Kontakte nicht zustande kommen, weil ich mir keine zwei bis drei Urlaube im Jahr oder keine kulturellen Veranstaltungen erlauben kann, so kann ich die Ängste und Schwierigkeiten verstehen, wenn einer (gut) verdient und dem anderen ehrliche Arbeit verweigert wird – dennoch schmerzt es mich immer wieder, mit diesen Ausgrenzungen klar kommen zu müssen und es auch zu wollen. Denn den Kopf in den Sand stecken kann und will ich nicht.

Und das bedeutet Kämpfen – ob ich es will oder nicht. Und dabei sehne ich mich so sehr nach Loslassen und Ruhe!

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