Stadt Solingen plant Ausbildung für ein Leben in Armut

Wenn es um steigende Kosten und fehlendes Geld geht, macht es sich die öffentliche Hand immer ganz bequem, indem sie Leistungen streicht, Gebühren erhöht oder – wie ich einer aktuellen Pressemeldung entnehme – nunmehr eine Ausbildung für ein Leben in Armut anbieten will. Dafür sollen sogar „neue Mitarbeiter“ eingestellt werden. Die Stadt Solingen lässt es sich offensichtlich einige Gehälter kosten, um den Hartz-IV-Betroffenen zu vermitteln, der Regelsatz für den Haushaltsvorstand in Höhe von 359 Euro monatlich und für Kinder sogar noch weniger würde vollkommen ausreichen für ein Leben in Würde und Achtung.

Die betroffenen Solinger Menschen sollen also bluten für eine verfehlte Finanzpolitik der Stadt. Und komme mir keiner mit dem Argument, die Stadt sei ja von den Vorgaben der Bezirks- und Landesregierung abhängig. Ich kann weder den Stadtwerken, meinem Bäcker noch sonst wem sagen, ich würde jetzt nicht mehr für ihre Leistungen zahlen, weil meine Kosten gestiegen sind und mein Arbeitslosengeld nicht. Mir würde der Strom abgedreht und ich bekäme keine Brötchen mehr. Meine Existenz ist diesen Unternehmen und Unternehmern doch vollends gleichgültig.

Doch zurück zu der von der Stadt geplanten Ausbildung für ein Leben in Armut. Was soll denn dort vermittelt werden?

  • Wo stehen Papierkörbe, in denen ich leere Flaschen sammeln kann?
  • Wo ist die nächste Müllhalde mit Wohlstandesmüll?
  • Wie kann ich schwarz fahren, weil ich mir kein Ticket leisten kann?
  • Wie kann ich erfolgreich hungern, ohne zu verhungern?

Oder ist diese Ausbildung ernst gemeint und es werden Fragen und Handlungsanleitungen besprochen wie:

  • Wie wehre ich mich gegen Willkür jeglicher Art?
  • Wo finde ich fachlich geschulte und erfahrene Helfer?
  • Wie stärke ich meine Seele für den Hartz-IV-Überlebenskampf?
  • Wie und wo kann ich mich organisieren, um seelisch und finanziell nicht unter zu gehen?
  • Wie schaffe ich es, auch noch ein wenig in „Luxus zu schwelgen“, z.B. Urlaub, Kultur usw.?
  • Wie überlebe ich Sanktionen der Arge?

Ich bin davon überzeugt, dass die neuen Mitarbeiter die betroffenen Hartz-IV-Empfänger eher mit dem oben genannten Müll überschütten werden als mit konkreter Hilfe. Falls ich mich täuschen sollte, bin ich gerne bereit, mich an dieser Stelle offen und ehrlich bei der Stadt zu entschuldigen.

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