"Powerfrauen"

Mir fällt auf, dass sich in letzter Zeit die Medien häufig mit den sogenannten „Powerfrauen“ beschäftigen – Stars und Sternchen, Prominente und erfolgreiche Unternehmerinnen. Hier soll das verzerrte Frauenbild vermittelt werden, dass Frauen nur dann „Power“ haben, wenn sie wirtschaftlichen Erfolg vorweisen können. Das soll ablenken von all den Frauen, die wirtschaftlich zwar keinen oder nur existenzsichernden Erfolg haben, die aber die Powerfrauen sind, wenn es um zwischenmenschliche Erfolge geht:

  • Ich denke in erster Linie an die allein erziehenden Mütter, die von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) leben müssen. Und die es dennoch schaffen, das Leben für sich und ihre Kinder zu meistern und ihren Kindern noch vorleben können, dass das Leben trotz Armut lebenswert ist.
  • Ich denke an die Frauen, die ihre letzte Lebensmöglichkeit im Alkohol sehen und es mit sehr viel Kraft und Lebensenergie schaffen, sich aus diesem Sumpf zu befreien und ein wertvolles Leben ohne Alkohol zu leben.
  • Dasselbe gilt für die Frauen, die Drogen als Endstation sehen und die sich erfolgreich zurück kämpfen ins Leben.
  • Ich denke an die Frauen, die von Vergewaltigern als Sache missbraucht und entehrt werden und die dennoch die Kraft haben, sich nicht ihrer Würde und Ehre berauben zu lassen und wieder ein Leben zu leben, das weitgehend frei ist von Hass und Rachegedanken.
  • Ich denke an all die missbrauchten Mädchen – oft missbraucht von „nahe stehenden“ Menschen -, die es äußerst schwer haben, wieder ins Leben zurück zu kehren.

Der Begriff Powerfrauen ist ein häufig in einseitigem Sinne missbrauchter Begriff. Ich würde den Begriff lebensfähige Frauen vorziehen, weil sich Lebensfähigkeit nicht mit allem Reichtum der Welt kaufen lässt, sondern eine Charaktereigenschaft von Frauen (und Menschen überhaupt) ist, die die Höhen und die Tiefen des Lebens bewusst und annehmend erlebt haben und immer wieder erleben.

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