Rückzugsmöglichkeiten

Ich empfinde die heutige Zeit als weitaus unruhiger und hektischer als meine Jugend und die Jahre danach. Damals war es noch etwas Natürliches, dass Zeiten der inneren Einkehr und Zeiten mit hohen Aktivitäten fließend ineinander übergingen. Und trotz des Höchstmaßes an Zeit, über das ich verfüge, bleibt mir nicht sehr viel Zeit für die innere Einkehr, den inneren Rückzug, weil ich oftmals viel zu sehr mit meinem täglichen Lebenskampf beschäftigt bin und viel zu selten mein Leben „einfach mal“ fließen und Leben sein lassen kann. Und zu viel über mich selbst nachzudenken ist auch nicht gerade entspannend.

So muss auch ich Wege und Orte finden, an die ich mich zurückziehen kann:

  • Manchmal lese ich sehr viel und tauche ein in das Leben früherer Zeiten. Ich lese sehr gerne historische Romane, stelle immer wieder fest, dass es damals genau so viel Gutes und Böses gab wie heute und versetze mich in die Figuren der Romane, mit denen ich fühle, denke, lebe und kämpfe.
  • Die beeindruckende Stille von Kirchen hilft mir auch manches Mal, ein Stück innere Ruhe zu finden. Doch leider fehlt es den allermeisten Kirchen an Gastfreundschaft, weil sie nur zu bestimmten Zeiten oder gar nicht geöffnet sind.
  • Wenn ich länger unterwegs war und merke, dass es nun genug ist, freue ich mich auf meine Wohnung.
  • Am häufigsten und am liebsten kann ich mich immer noch in der Natur entspannen: Ich nehme die Pflanzen, Tiere, das Wetter und mich mittendrin mit allen Sinnen auf und tanke so neue Energien. Ein Leben ohne Natur kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, weil das für mich gleichbedeutend wäre mit der Abkehr vom Leben.

In diesem Sinne: Das Leben ist zwar eins der schwersten, aber immer auch noch mit sehr vielen kleinen und großen Schönheiten und Genüssen – um diese zu sehen, muss man sich jedoch auch tagtäglich mit wachen Sinnen durchs Leben bewegen.

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