Empfindlichkeiten

Beim Computer gibt es die Windows-Registry. Das ist (erfahrene Anwender mögen mir leichte Ungenauigkeiten nachsehen) eine umfassende Datenbank des Betriebssystems Microsoft Windows zur Verwaltung des Systems und aller integrierten Systemdienste und -prozesse. Änderungen in dieser Datenbank sollten nur von erfahrenen Anwendern durchgeführt werden, weil Fehler zur Unbrauchbarkeit und zum Absturz des Systems führen können. Diese Datenbank ist ein sehr komplexes System, in das sich so manche Information tief eingegraben hat.

Auch wir Menschen haben eine solche äußerst komplexe Datenbank – unser Gehirn. Und dort speichert bzw. nistet sich so manch eine Erfahrung aus unserem Leben ein. Die erfreulichen behalten wir sehr gerne, weil sie unser Leben bereichern. Die unerfreulichen sind für unser heutiges Leben genauso wichtig, weil sie ebenfalls unser Leben bestimmt haben und noch bestimmen. Es gibt jedoch unerfreuliche Ereignisse in unserer Datenbank Gehirn, von denen wir wissen, dass sie für uns im Heute veraltet und teilweise sogar schädlich sind. Und es sind oft genau diese unschönen Erfahrungen, die sich so sehr schwierig löschen lassen. Ich möchte das mit zwei persönlichen Erfahrungen verdeutlichen:

Es gab während meiner langjährigen Arbeitslosigkeit Zeiten, in denen die Frage nach den Ursachen durchaus in der Richtung gestellt wurden, ich sei allein verantwortlich und schuld an dieser Situation. Die Auseinandersetzung mit den so voreingenommenen Menschen verlief in der Regel unfruchtbar, weil ich dabei dem Vorwurf ausgesetzt war, ich sei ja „uneinsichtig und unbelehrbar“. Meine Sichtweise war leider unerheblich.
Heute ist diese Frage durchaus berechtigt, weil an meinem Leben interessierte Menschen einen Anspruch darauf haben, von mir zu erfahren, wie ich mit diesem Ausschluss aus dem Berufsleben umgehe und auf welche Weise ich ihn in meinen Alltag einbaue.
Doch leider erwische ich mich bei dieser Frage immer wieder dabei, dass ich als Erstes das Gefühl bekomme, ich solle damit durch die Hintertür für meine Arbeitslosigkeit selbst verantwortlich gemacht werden; obwohl diese Menschen das ganz und gar nicht meinen.

Ein weiteres Beispiel ist das Verhältnis zu meiner 84jährigen Mutter (mein Vater ist leider seit über neun Jahren tot), das leider nach wie vor von alten Verletzungen geprägt ist. So reagiere ich oft noch wie das von seiner Mutter bestrafte oder im Stich gelassene Kind. Und es gelingt mir dann oft nicht, das kleine Kind zum erwachsenen Kind zu machen und meiner Mutter mit der ihr heute zustehenden Geduld, Toleranz und Achtung zu begegnen.

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