Neue Zentralstelle für Datenmissbrauch?

Ein neues Register wird ins Leben gerufen – das Zentralregister gegen Kindesmissbrauch. Es klingt wie eine gute Sache, dass Eltern dazu angehalten werden sollen, die Vorsorgeuntersuchungen für ihre Kleinkinder auch zu nutzen. Doch das ist nur eine Seite der Medaille.

Leider gibt es immer noch Kinderärzte, die diese Vorsorgeuntersuchungen nicht zum Allgemeinwohl der ihnen anvertrauten Kinder nutzen, sondern nur für ihre Brieftasche. Und Befunde übersehen bzw. nicht melden, die auf eine körperliche und seelische Gefährdung hinweisen – die Eltern werden kontrolliert; doch wer kontrolliert die Kinderärzte? In diesem Spiel wird die Verantwortung auf die Eltern abgewälzt und den Ärzten pauschal und oft unberechtigterweise Verantwortungsbewusstsein zugesprochen.

Die Durchführungsverordnungen für dieses Zentralregister sehen einen Datenabgleich zwischen Kinderärzten und den Einwohnermelderegistern vor. Doch welche Daten sollen hier zentral gespeichert werden? Nur die Tatsache, ob die Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen wurden? Oder auch medizinische Daten? Welche medizinischen Daten? Vielleicht auch persönlich gefärbte Einschätzungen der Kinderärzte?

Und wie werden diese Daten geschützt? Die nicht abreißenden Datenskandale lassen mich befürchten, dass die gesamte Gesundheitsbranche einschließlich der Pharmaindustrie hier eine große Möglichkeit sieht, angeblich neue Produkte und Leistungen zu erfinden, die dann für teures Geld über die Kinderärzte an die Eltern bzw. an deren Kinder gebracht werden können. Hier können im schlimmsten Fall schon Kleinkinder unterschwellig und bewusst zu Medikamentenabhängigen „therapiert“ werden.

Ich will keineswegs in Abrede stellen, dass manch ein Kindesmissbrauch vermieden oder aufgedeckt werden könnte, wenn die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen würden. Es darf aber auch niemand die Augen vor den Gefahren verschließen, die mit diesem Zentralregister ganz offensichtlich verbunden sind.

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