Müde vom Suchen

Seit nunmehr fast achtzehn Jahren bemühe ich mich intensiv und ernsthaft um einen Wiedereinstieg ins Berufsleben. Ich suche keine Arbeit um jeden Preis, sondern eine Tätigkeit, in der meine beruflichen wie menschlichen Fähigkeiten anerkannt und gefördert werden. Doch sind (nicht nur) solche Tätigkeiten selten geworden.

Im Ergebnis habe ich mehrere tausend Absagen. Und hier Ursachenforschung betreiben zu wollen, wäre müßig: Frage zehn Personalexperten und Du erhältst zehn Empfehlungen. Meine eigenen Erfahrungen, Überlegungen und Schlussfolgerungen werden in der Regel nicht anerkannt, obwohl ich unmittelbar betroffen bin und daher über einen vielfältigen Erfahrungsschatz verfüge.

Ich bin müde geworden vom vielen Suchen und habe mich mittlerweile darauf eingestellt, keine angemessene Stelle mehr zu finden. Vollständig aufgegeben habe ich die Hoffnung jedoch noch nicht – das würde meinem Naturell widersprechen. Doch schaue ich mir Stellenangebote sehr sorgfältig an und hinterfrage sie.

Ergänzend die Aussage eines Dozenten aus meiner Umschulung, der zwölf Jahre selbständig und für das Personalwesen zuständig war: „Wenn in einem Stellenprofil schon zwei Anforderungen auf Ihre persönliche Situation nicht zutreffen, brauchen Sie sich gar nicht die Mühe einer Bewerbung zu machen.“

Diese Erfahrung habe ich auch schon in den ersten Jahren meiner Arbeitssuche gemacht. Aber es hat viele Jahre gedauert, bis ich diese Erkenntnis auch leben konnte. Die Angst vor Verarmung und ein sehr weit gehender Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben haben mir diesen Schritt ebenso erschwert wie der Druck aus meiner näheren und weiteren Umgebung.

Druck hilft mir – und ich denke fast jedem – in dieser Situation überhaupt nicht. Gefragt sind vielmehr Verständnis, Toleranz und Akzeptanz für Menschen, die ihre eigenen Entscheidungen treffen und sie verantworten. Und mit ehrlich gemeinten Meinungen und Angeboten werde ich mich auf jeden Fall ernsthaft auseinander setzen.

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