Angst vor Ärzten

Ich glaube kaum, dass meine Angst vor Ärzten nur mit meinem Alter zu tun hat, weil ich aufmerksamer und empfindsamer geworden bin. Vielmehr muss ich leider immer wieder die Erfahrung machen, dass Ärzte in erster Linie Unternehmer sind (also gewinnorientiert) und erst in zweiter Linie Ärzte – also um Menschen und ihre Gesundheit besorgt.

Den allermeisten Ärzten fehlt eine ganz wichtige Grundkenntnis: Der Mensch besteht nicht aus vielen Einzelteilen, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Tatsache ist doch, dass diese „Einzelteile“ sehr wohl im Zusammenhang miteinander stehen, aber diese Zusammenhänge in der Regel von den Ärzten missachtet werden.

Der Zahnarzt sieht nur die Zähne, der Orthopädie nur Knochen und Gelenke, der Kardiologe nur das Herz, der Augenarzt nur die Augen, der Lungenarzt nur die Lunge usw. Auch so genannte Zusammenschlüsse von Ärzten verschiedener Richtungen ändert daran nichts, weil hier wirtschaftliche und organisatorische Gründe im Vordergrund stehen und nicht der echte medizinische Austausch im Sinne der Patienten.

Als Kassenpatient mache ich immer wieder die Erfahrung, dass Ärzte sich weder die Zeit für ein Gespräch mit mir noch mich überhaupt wirklich ernst nehmen. Auch hier in erster Linie ans Geld denken und nicht an den Menschen.

Wollen Ärzte überhaupt den mündigen Patienten? Ich denke nein (von Ausnahmen abgesehen). Wenn ich Ärzten meine Beobachtungen über mich und meine Gedanken und Vorstellungen über den weiteren Weg dazu mitteile, habe ich oft den Eindruck, ich könne genau so gut mit der Zimmerwand reden.

Ich fürchte den Tag, an dem ich – aus welchen Gründen auch immer – Ärzten ausgeliefert sein sollte, weil ich selbst nicht mehr mitreden und –entscheiden kann!

Doch kann ich auch nicht von der Hand weisen, dass die Mehrzahl der Patienten an diesem ärztlichen Verhalten mitverantwortlich ist: Wenn ich den Satz höre Ich weiß zwar nicht, was und warum der Arzt das gemacht hat, aber er wird es schon wissen kräuseln sich bei mir alle Haare bis zur Unkenntlichkeit. Wenn sich die Mehrheit der Patienten so den Ärzten ausliefert, kommen diese leicht in Versuchung, bei dem Rest ihrer Patienten „ihren Stiefel“ durchzuziehen.

Aber Halt, verehrte Ärzteschaft, das ist kein Freibrief für Euch! Geht bitte auf den einzelnen Patienten (auch Patienten sind Menschen) ein und schert nicht alle über einen Kamm! Die Palette reicht nun mal von dem Patienten, der nicht mitreden und Ihnen alle Entscheidungen überlassen will, bis hin zu dem Patienten, der Ihre Aufmerksamkeit und den Austausch mit Ihnen braucht und dem Sie auch die entsprechende Zeit zugestehen sollten – auch wenn er „nur“ Kassenpatient ist!

Für mich sollte ein Arzt nicht der Allwissende in Fragen Gesundheit sein, sondern mein Begleiter und Helfer, der mir mit seinem medizinischen und auch menschlichen Wissen auf meinem Weg des Gesundbleibens oder Wieder-Gesundwerdens hilft und mich auf diesen Weg begleitet!

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