Leistung in unserem Land

Wir nennen uns eine Leistungsgesellschaft, in der nur die Menschen soziale Anerkennung finden, die eine „Leistung“ erbringen. Doch gilt diese Anerkennung in allererster Linie den Menschen, die eine finanzielle Leistung erbringen. Es steht außer Frage, dass Arbeitnehmer sich ihr Einkommen in der heutigen Zeit unter oft sehr schweren Bedingungen erarbeiten müssen. Allerdings schließe ich hier Manager und ihre Kolleginnen und Kollegen aus, die ihr Geld in sehr vielen Fällen mit der Vernichtung von Arbeitsplätzen und der damit verbundenen Zerstörung von Menschen erwirtschaften.

Und hier komme ich zu den eigentlichen Leistungserbringern unserer Gesellschaft, ohne die Manager, vermögende Privatleute und Finanzinvestoren ihre Vermögen gar nicht scheffeln könnten – die große Mehrheit der armen Menschen, die man gerne beschönigend als „Prekariat“ bezeichnet.

Sein und das Leben von Familien mit äußerst geringen Einkommen zu managen (und an dieser Stelle ist der Ausdruck „managen“ tatsächlich angebracht) ist weitaus schwieriger als sich alle diese Leistungen einzukaufen. Das schafft die Gruppe der Reichen nicht im Mindesten. Doch die Armen müssen ohne Leistungseinkäufe das eigene Leben und das ihrer Familien meistern. Diese Menschen erbringen wirklich sinnvolle und schöpferische Leistungen – und ihnen gilt meine Hochachtung!

Und aus meinen beruflichen Erfahrungen heraus muss ich den meisten Arbeitgebern entgegen ihren eigenen Angaben vorwerfen, dass sie keine eigenständig denkenden und sprechenden Mitarbeiter wollen, sondern menschlich handelnde Maschinen, die das tun, was ihnen von Oben und von Vorgesetzten eingetrichtert wird.

Wenn diese Arbeitgeber die Leistungsbereitschaft, Denkfähigkeit, Kreativität und praktischen Erfahrungen hätten, deren Umsetzung sie ihren Mitarbeitern oft verweigern, ginge es der „deutschen Wirtschaft“ (wer auch immer sich hinter diesem Begriff verbirgt) mit Sicherheit wesentlich besser als heute.

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